Ask the boy and the girl: was die Schule von der Pfadfinderbewegung lernen kann

Worum es geht
„Ask the boy and the girl“ ist ein Fortbildungsangebot für Grundschul- und Sekundarstufe-I-Lehrkräfte, das konkrete Werkzeuge vermittelt, ausgehend von einem Prinzip, das oft formuliert, aber selten wirklich in die Praxis umgesetzt wird: den Jungen und das Mädchen authentisch anzuhören – nicht als Objekt des Bildungsprozesses, sondern als dessen aktives Subjekt.
Das Angebot entsteht aus der Begegnung zweier oft getrennter pädagogischer Traditionen – Schule und Pfadfinderbewegung – und untersucht, wie bestimmte Praktiken der Pfadfindermethode kohärent und praktikabel in den schulischen Kontext übertragen werden können, im Einklang mit Lehrplan, geltenden Rahmenbedingungen und der professionellen Autonomie der Lehrkräfte.
Historische und pädagogische Grundlagen
Das Prinzip, Schüler*innen wirklich zuzuhören, ist weder eine neue Erfindung noch eine fremde Idee. Seine Wurzeln reichen mindestens bis zu Rousseau (1762) zurück, führen über die reformpädagogische Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts (Montessori, Steiner, Baden-Powell) und finden sich bis heute in pädagogischen Grundsätzen zu Mitbestimmung, Selbsteinschätzung und geteilter Verantwortung in der Bildung wieder. Beispiele wie die des italienischen Pädagogen Albino Bernardini zeigen, dass diese Prinzipien – oft unter erheblichem persönlichem Einsatz – auch innerhalb des Schulsystems praktiziert wurden.
Das Fortbildungsangebot bringt diese Bezüge nicht als historisches Wissen ein, sondern als Instrumente der Legitimation: um Lehrkräften zu zeigen, dass das Vorgeschlagene bereits erprobt, in der pädagogischen Tradition verankert und praktisch möglich ist.
Was in den Unterricht mitgenommen wird
Das Angebot vermittelt unmittelbar einsetzbare Werkzeuge, gegliedert in drei Bereiche:
1. Das individuelle Gespräch zwischen Schüler*in und Lehrkraft
– Ein wöchentliches Logbuch mit festen Kategorien, um Jungen und Mädchen an fortlaufende Selbstbeobachtung zu gewöhnen.
– Ein Selbsteinschätzungsbogen, der vor Erhalt jeder Bewertung ausgefüllt wird.
– Strukturierte Einzelgespräche, die in Vertiefungswochen am Ende des Trimesters/Halbjahres eingebettet werden, in zwei Schritten: zunächst Schülerin–Lehrkraft, dann – wo möglich – Schülerin–Lehrkraft–Familie, um der partnerschaftlichen Verantwortung zwischen Schule und Elternhaus konkrete Substanz zu verleihen.
2. Die Beteiligung der Klasse
– Eine schrittweise Progression auf drei Ebenen: der Klassentisch (wenige Treffen pro Jahr zu konkreten Themen), der Kleine Rat (monatlich, breitere Themen), der Klassenrat (wöchentlich oder zweiwöchentlich).
– Der Klassenrat sieht rotierende Rollen vor – Vorsitz, Protokollführung, Ratsmitglieder – sowie eine Ordnung, die die Klasse selbst erarbeitet, abstimmt und unterschreibt, wobei sie diese der übergeordneten Schulordnung unterstellt.
3. Das erweiterte kooperative Lernen
– Eine Vertiefung der kooperativen Lernmethode, angereichert um fünf Elemente, die vom Patrouillensystem der Pfadfinderbewegung inspiriert sind: klare individuelle Verantwortung, definierte Rolle, (auch temporäre) Gruppenidentität, Zusammenarbeit als innere Entscheidung, stabile Koordination für die Dauer der Aktivität.
– Die gemeinsame Gestaltung eines Klassenposters als Instrument der Zusammenfassung und dauerhafter visueller Erinnerung.
Die Fortbildungsmethode
Jedes Modul folgt einem dreiphasigen Ablauf:
1. Erfahrungsbasierte Aktivierung (die Lehrkräfte erkunden ihre eigene Praxis anhand von Leitfragen und Erzählungen),
2. Theoretische und historische Einordnung,
3. Entwicklung praktischer Werkzeuge.
Der Kurs schreibt keine Lösungen vor, sondern begleitet die Lehrkräfte dabei, sie ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung zu finden.
Format und Zielgruppe
– Zielgruppe: Grundschul- und Sekundarstufe-I-Lehrkräfte; Schulleitungen und Verwaltungspersonal.
– Format A: drei Module à 2 Stunden in Präsenz, auch an unterschiedlichen Terminen.
– Format B: ein einzelner 6-stündiger Tag, ausschließlich in Präsenz, an der anfragenden Schule.
– Phase 0: Eine begrenzte Anzahl kostenloser Pilotdurchläufe steht für die ersten interessierten Schulen zur Verfügung, im Austausch für strukturiertes Feedback zur Erfahrung.
Informationen
Für Informationen zum Angebot, zu verfügbaren Terminen oder um das vollständige Informationsblatt anzufordern, kann der Kursleiter direkt kontaktiert werden.
